Herzlich Willkommen!

Bistro Ginkgo

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Bistro Ginkgo. natürlich essen.

Herzlich willkommen beim Bistro Ginkgo!


Mit dem Konzept "Bistro Ginkgo. natürlich essen." bieten wir Fans von asiatischem Essen, Vegetariern und Veganern eine Kreativküche an, die Ihre Wurzeln in Ostchina hat, unter japanischem Einfluss steht und deutsche Gemüsesorten verwendet.

Wir kochen mit frischen und hochwertigen Zutaten: saisonales & regionales Gemüse steht bei uns genauso hoch im Kurs wie in Italien angebauter, japanischer premium Sushi-Reis und fangfrischer Fisch. Aus Japan importierte Sojasauce und Miso-Paste sowie japanischer Essig runden das Programm ab.

Auf unserer Speicherkarte finden Sie sowohl typische Traditionsgerichte aus China als auch Gerichte mit einer eindeutigen Signatur von Bistro Ginkgo. In Deutschland übliche Gemüse wie zum Beispiel Rosenkohl, Wirsing, Brokkoli oder Stangenbohnen bereiten wir mit chinesischen Methoden zu - bitte lassen Sie sich überraschen.

Typisch chinesisch ist, Gemüsegerichte mit Fleischfond, Fischfond, ein wenig Fleisch oder Fisch zu verfeinern. Wenn Sie tierische Zutaten nicht grundsätzlich meiden oder gemeinsam mit jemandem Essen möchten, die bzw. der gerne Fleisch- und Fischaromen genießt, finden Sie auch Gerichte mit Fleisch und Fisch bei uns.

Alle Soßen sind eigene Kreationen und reifen vor der Verwendung in unserem Kühlhaus.

Wer den Konsum von Kohlenhydraten reduzieren möchte, kann bei uns anstatt Reis die Low-Carb-Variante Mungobohnensprossen als Beilage wählen - oder natürlich auch ganz auf Beilagen verzichten.

Wir freuen uns auf Ihre Bestellung!

https://bistroginkgo.order.dish.co/menus


Mit freundlichen Grüßen, Ihr Bistro Ginkgo Team

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Am Buchenbaum 20, 47051 Duisburg, Germany

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Hymne an das natürliche Essen V

Hymne an das natürliche Essen V

Kleine Jiaozis, große Jiaozis 小饺子、大饺子

Ich liebe Jiaozi. Schon als Kind liebte ich Jiaozi.

Als ich sechs Jahre alt war, durfte ich beim Jiaozimachen mitspielen. Mutter hat nicht groß angekündigt, dass ich das Jiaozimachen lernen würde. Mir wurde nur gezeigt, wie man den Teig mit Inhalt zusammen drückt. Drücken ist das korrekte Wort: Das Wichtigste beim Zumachen ist, dass der Jiaozi beim Kochen zubleibt, und wenn man ihn später isst, werden die Aromen samt Soßen und Suppe eine herrliche Überraschung. Stück für Stück.

Mama hatte zu mir gesagt: Es gibt keine häßlichen Jiaozis, denn die Falten werden nach dem Kochen oft nur noch schwer zu erkennen sein. Im Gegensatz dazu würde ein zerplatzter Jiaozi nach nichts schmecken - in dem Fall wird das Kochwasser gewürzt. Tja, gut fürs Kochwasser, aber schlecht für die Jiaozis. So ganz nebenbei: Darum gibt es in Tianjin, wo ich die ersten sechs Jahre meines Lebens verbrachte und wo die Jiaozi-Kultur so floriert, einen wunderbaren Brauch, zusammen gefasst mit dem Sprichwort "原汤化原食”,übersetzt heißt es so schön wie "Die Originalsuppe hilft bei der Verdauung des Originalessens."

Darum konnte ich zu Anfang nur ein kleines Häufchen in den Teigmantel tun, um mit meinen kleinen Fingern Falte für Falte so zuzukneten, dass der Jiaozi das Kochen in der Tat auch überlebt. Denn würde er das Kochen nicht überleben, so konnte ich nur die von den Erwachsenen gemachten Jiaozi essen, aber niemals meine eigenen. Das wäre für mich eine Katastrophe gewesen. Zugegeben, die von anderen haben eine sehr viel größere Füllung, und schmeckten darum viel besser. Aber die eigene Arbeit im Suppe-Nirwana zu wissen, war für mich immer schmerzhaft. Wie sehr ich Jiaozi auch mochte, das Falten selbst machte viel mehr Spaß als der Genuss des gemeinsamen Spielergebnisses.

Meine größte Jiaozi Heldin war jedoch nicht meine Mutter, sondern die Oma "Da Niang". Sie stammte aus der Provinz Shandong, chinaweit berühmt durch die klitzekleinen, wunderbar künstlerischen Jiaozi, kurzum klein, fein, mit hunderten Falttechniken, womit man ein ganzes Jiaozi Bankett faltet.

Jedes Jahr besuchten wir zum chinesischen Neujahrsfest die Da Niang, und sie bereitete eine Festmahl mit Jiaozi vor. Festmahl bedeutete, dass es Fleisch in der Füllung gab, weil Fleisch so rationiert war, dass man pro Person pro Monat nur 250 Gramm Fleisch kaufen durfte. Festmahl bedeutete für mich, dass jeder Jiaozi klitzeklein war, als hätte man sie extra für mich als sechs jähriges Mädchen gefaltet. Was ich am meisten bewunderte, war, dass jeder noch so kleine Jiaozi mindestens 20 Falten hatten, symmetrisch platziert, zehn links und zehn rechts, beide Seiten guckten in die Mitte, jede Falte etwa einen Millimeter breit. Und die Vorderseite ist schön glatt. Da Niang platzierte die fertig gefalteten und rohen Jiaozi reihenweise auf einem großen Bambusbrett. So standen sie wie Parade übende Soldaten, jedes Stück haargenau gleich, alle standen mit derselben Körperhaltung und schauten in diesselbe Richtung.

Das Beste am Besuch bei Da Niang war: Ich durfte nicht nur zuschauen, sondern auch mitmachen! So wurden meine Jiaozis von "schlafend" zu "stehend", die Falten wurden von unregelmäßig zu denen mit fast gleich großen Abständen, auch die Anzahl der Falten nahm zu. Es war unheimlich schwierig, die Falten genauso symmetrisch hinzubekommen wie meine große Lehrmeisterin Da Niang. Oft hatte ich links fünf Falten und rechts nur drei, und mit jeder letzten Falte dachte ich, dass darüber der Schicksal entscheidet, und nicht ich selbst.

Und die kleinen Jiaozi schmecken natürlich am besten: Der Teig hauchdünn, schön glatt und doch bissfest - allein dass jeder kleine Jiaozi selbst ein großes Kunststück war und jedes zu schade zum Essen, war jeder Biss für mich ein erneutes Glückserlebnis.

Bei Bistro Ginkgo lehnte ich am Anfang kategorisch Jiaozi ab. Vielleicht weil ich den Idealzustand eines kunstvollen Jiaozis schon im Kindesalter live erlebt hatte? Wenn der Qualitätsstandard der Perfektion zu nahe ist, dann wird eine einfache durchzuführende Sache zu einem Problem. Doch der Corona Lockdown hielt alle Kunden und potentiellen Kunden weit weg von uns, Kunden ließen sich gar nicht blicken und wir hatten von unserem frischen Einkauf Überfluss. Wohin damit?

So waren für Bistro Ginkgo die selbstverständlich selbst gemachten Jiaozis als eine ganze Produktreihe geboren, ja, sie bildeten den idealsten "Stausee" für unsere frischen Zutaten. So wurden in der Gipfelzeit mehr als 20 verschiedene Füllungen kreiert. Wir listen jedoch die Jiaozis mit Schweinehack aus, weil wir bemerkt haben, dass sie nur selten bestellt werden. Und leider damit verbunden auch das sehr gern bestellte Gericht "Teriyaki Schweinebauch". Tja, wenn der Stausee nicht regelmäßig abfließen kann, dann kann er sich auch nicht mehr Stausee nennen.

Was die Machbarkeit des Produktes Jiaozi bei Bistro Ginkgo angeht, so gab es für mich keine Alternative: Jedes Stück per Hand, auch Füllung und Mantel komplett selbst gemacht, alles aus frischen Zutaten, komplett natürlich und ohne Zusatzstoffe... und sie müssen möglichst groß sein, sie müssen geeignet für den Transport sein und auch nach einer halben Stunde beim Gast zu Hause immer noch super gut schmecken.

Also wurde der Standard recht bald klar: 1) Eier müssen in den Teig eingearbeitet werden, damit der Mantel fest bleibt, insbesondere um die Zeit von nach der Garung bis zum Mund des Gastes gut zu überbrücken, und am Schluss möglichst wenig Abstriche beim Gesamtgeschmack gemacht werden. 2) Groß genug müssen sie sein, denn meine Finger bekommen nach 200 Stücken Muskelkater. Also jede Muskelkater-Aktion sollte möglichst viele Kunden satt machen. Aber dennoch müssen sie klein genug sein, um als Jiaozi zu gelten. Ansonsten wären sie ja eher Baozi. 3) Gebraten müssen sie auch sein, denn sie sind schneller gar und ohne eine Marktstudie war ich mir sicher, dass der knusprige Boden des gebratenen Jiaozis einen besonderen Pluspunkt bringen wird.

So pflegen wir seit Dezember 2020 unser Jiaozi Sortiment, es ist ein guter fließender Stausee und Jiaozi werden von unseren Gästen sehr gerne bestellt und wieder bestellt. Kommentare wie "Die Jiaozi sind ja so riesig" fanden bei mir kein Gehör, so nach dem Motto: "Falte Du mal 200 Stück per Hand, und das sieben Tage hintereinander, dann reden wir weiter..." Das habe ich zwar nicht wortwörtlich gesagt, aber bei der Gastronomie muss ich auf Perfektion verzichten - auch wenn es schmerzvoll ist und ich von der Kunstfertigkeit her viel Besseres zu bieten habe.

Gestern packte mich mein Neugier, und ich hatte Lust, einfach mal den Teigmantel von 10 cm Durchmesser auf 8 cm schrumpfen zu lassen, und die Stärke des Teigmantels zugleich zu halbieren. Als Ergebnis kam etwas wunderbar Phantastisches zustande, etwas unbeschreiblich Leckeres, dessen Unterschied ich es nicht in Worten zu fassen vermag. (Siehe Foto)

Schnell raterte es in meinem Kopf, wann ich so winzig kleine Shandong Jiaozi bei Bistro Ginkgo anbieten kann, und als Ergebnis kommt folgendes:

- es muss Innengastronomie sein, so dass die Gäste die Jiaozi von der Pfanne unmittelbar auf den Tisch bekommen können

- es muss wie bei einer Aufführung sein, das heißt etwa zwanzig Gäste bekommen zeitgleich jeweils zwei Jiaozis als ein Gang des gesamten Menüs

Bis dahin bitte ich Sie um Geduld. So ein Tag wird bestimmt kommen, dessen sind wir uns im ganzen Team sicher.

Guten Appetit !😋 !😋 !😋

Wünscht Ihnen das Bistro Ginkgo Team

Duisburg, den 20. September 2021

Hymne an das natürliche Essen IV

4 Was schmeckt am besten?

Von Min Busch, Am Wiesensee, den 8. Juni 2021


4 Was schmeckt am besten?


Die Corona-Pandemie dauert schon mehr als ein ganzes Jahr. Der Trend, sich vegetarisch und vegan zu ernähren, geht mit dem Umweltschutz einher und wird durch die Pandemie verstärkt. Doch was soll man tun, wenn die Vernunft nach Gemüse schreit, und der Gaumen was anderes will? Sowohl Gastronomen als auch die Lebensmittelindustrie folgen dem Ansatz, aus pflanzlichen Zutaten den Geschmack von Fleisch zu erzeugen. Ist es nicht absurd? Mir kommt diese Philosophie vor, als würde jemand den Partner deswegen heiraten, weil dieser dem Ex ähnelt. Würde diese Beziehung zum Glück führen und lange anhalten, für beide Partner? Ich fürchte nicht. Denn jeder will von seinen Mitmenschen so akzeptiert werden, wie er ist – und nicht, weil er der Doppelgänger eines anderen Daseins zu sein scheint.

Würden Gemüse, Obst, Kräuter etc. uns Menschen direkt ansprechen, so würden sie beim Zusehen von unserem Handeln entsetzt bzw. traurig sein, was wir aus ihnen machen, nur um ihre eigenen Geschmäcker zu vertuschen. Aber warum? Weil man davon ausgeht, dass der Gaumen des Menschen den Fleischgeschmack braucht. Man will vom Fleisch wegkommen, und simuliert mit Gemüse den Fleischgeschmack. Also loslassen wollen, indem man etwas umso fester an sich bindet. Ist das nicht absurd?

Chinesische Businessreisende kommen oft mit deutschen Restaurantessen nicht zurecht. Insbesondere wenn sie länger als eine Woche in Deutschland unterwegs sind, vermissen sie Gemüsegerichte, insbesondere warme Gemüsegerichte. Für chinesische Mägen zählen nur warme Mahlzeiten als eine richtige Mahlzeit. Einmal war ich mit dem Vorstandsmitglied eines chinesischen Konzerns unterwegs. Er war ein Liebhaber deutschen Essen. Doch nach einigen Tagen Euphorie über Haxen, Zwiebelrostbraten, Würste, Lammfleisch sehnte er sich nach Gemüsegerichten und wollte unbedingt bei einem chinesischen Restaurant sein Heimatessen genießen. Zugegeben, dies war vor etwa zehn Jahren. Ich versuchte, ihm zu erklären, dass ein Chinarestaurant oft nicht das typisch chinesische Heimatessen bot, was er von Zuhause gewohnt war. Obwohl er auf chinesisch höchstpersönlich alle Gerichte für den ganzen Tisch bestellte, erinnere ich mich genau in diesem Moment an sein Kommentar nach dem Essen: „Min, Du hast recht: Auf deutschen Speisekarten dreht sich alles um Fleisch. Doch warum ist es im Chinarestaurant auch so? Gibt es in Deutschland kein Gemüse?“ Was ihn enttäuschte, war, dass jede Fleischsorte mit demselben Gemüsemix und einer der fünf Standardsoßen kombiniert wird – was raus kommt, ist eine sehr lange Speisekarte mit wenig Geschmacksvielfalt. Die durch und durch nach Glutamat schmeckende Soße überdeckt alles, was von Natur aus Geschmack hat. Meine Antwort an den Konzernvorstand war: „Selbstverständlich gibt es in Deutschland auf dem Frischmarkt oder im Supermarkt Gemüse, aber Fleisch ist ja billiger.“

Seit dieser Erfahrung empfehle ich umso mehr das typisch deutsche Essen, immer wenn ich mit chinesischen Gästen in Deutschland unterwegs bin. Egal wohin wir fahren, probieren mein Mann und ich immer liebend gern die regionale Küche. Und erfahrungsgemäß schmeckt die typisch lokale Küche immer am besten. Jede typisch regionale Küche ist Ausdruck einer langen Tradition, mit natürlichen Zutaten dem menschlichen Gaumen eine Freude zu machen. Traditionsgerichte sind bewährt – und die Geschichte ist viel länger als die der modernen Lebensmittelindustrie.

Als Kind habe ich zufällig in verschiedenen Städten in sehr verschiedenen Regionen gewohnt, und immer schmeckte mir das Essen meiner neuen Heimat vorzüglich. So fragte ich eines Tages als kleines Mädchen meine Mutter: „Was schmeckt denn am besten?“ Die Antwort war unverständlich: „Der Hunger.“ Wie bitte? Kann man Hunger essen?

Mit dieser Antwort zitierte damals meine Mutter den berühmten Kaiser Qianlong der Qing-Dynastie, der 1751 incognito seine erste Reise ins Yangtse-Delta unternahm, und diese Region zeit seines Lebens insgesamt sechs Mal besuchte. Eines Tages kam der Kaiser hungrig in einem abgelegenen Dorf an, fand weit und breit keine Gaststätte und suchte eine arme Bauernfamilie auf. Der Mann war unterwegs, nur die Frau war zu Hause. Sie war einerseits sehr erfreut, dass sie überhaupt Besuch bekam von so edel gekleideten Fremden, fand aber zu Hause nichts Leckeres als zwei Stückchen Tofu. So ging sie aufs Feld und zog einige Spinatpflanzen samt Wurzeln aus der Erde. Diese wusch sie sauber, kochte eine Suppe mit Tofu und Spinat. Dem hungrigen Kaiser schmeckte das Gericht hervorragend und fragte nach dem Namen des Gerichtes. Nun, Tofu mit Spinat würde ja viel zu banal klingen, also kam die Antwort vom kaiserlichen Begleiter: „金镶白玉板,红嘴绿鹦哥“, was so gut heißt wie: „Weiße Jade mit goldenem Rand, grüne Papagai mit rotem Schnabel“. Tofu wurde vorher im Öl gebraten und wurde somit goldbraun; Spinatwurzel schmeckt süß und bildet farblich den Kontrast zu grün – dies erinnert einen an einen schönen Papagai. Doch später kehrte der Kaiser zu seinem Hof zurück und verlangte, dass seine Hofköche ihm das leckere Papagai-Gericht kochten, aber niemand wusste, was mit dem Namen des Gerichtes gemeint war. Nun, Gerichte für den Kaiser waren schon immer sehr aufwendig und sehr fein. Wer würde als Koch für „haute cuisine“ sich mit so was Banalem wie „Tofu mit Spinat“ abgeben? Der Kaiser Qianlong ließ die Bauernsfrau an den Hof kommen, und sie kochte dasselbe Gericht nochmal für ihn. Doch merkwürdigerweise schmeckte es nicht mehr so gut wie damals bei ihr zu Hause. So erklärte sie dem Kaiser: „Sie waren damals hungrig und hatten Durst, zudem waren Sie auch sehr müde und es war ein sehr heißer Tag, daher hatte das Essen natürlich viel besser geschmeckt als sonst.“

Speisen primär dazu da, um Hunger zu stillen. Doch es gibt Essen, das tief ins Gedächtnis eingeht. Der Grad des Wohlgeschmacks geht weit über das Stillen des Hungers hinaus. Ich möchte mit meiner Komposition Gericht für Gericht einen Bestseller-Status erreichen, so dass meine Gäste sich nach dem Geschmack sehnen – und nirgendwo anders auf dieser Welt findet man dasselbe Gericht ein zweites Mal. Das kann nur gelingen, indem ich mich mit dem natürlichen Geschmack jeder einzelnen Zutat beschäftige, ihn hervorhebe, sowie durch die Kombination – sei es Verstärkung oder Ergänzung oder auch Überdeckung – ein hervorragendes Konzert komponiere.

Ja, für mich fängt der Job „Koch“ bei der Komposition jedes einzelnen Gerichtes an, geht dann von Solospieler über Dirigenten zum gesamten Orchester. Doch warum nehme ich nicht direkt ein fertiges Stück und spiele es „nur“, nach meinem besten Wissen und Gewissen? Weil die Vegetation auf der ganzen Erde anders ist, weil in Deutschland völlig andere Gemüse- und Obstsorten vorherrschen als in China. Daher möchte ich mich konkret mit jeder Art Zutat befassen und lasse mich selbst überraschen, was als Ergebnis herauskommt.

Das Ziel für mich ist, etliche Gerichte zu kreieren, bei denen ich später als Feedback von meinen Gästen höre, und zwar immer wieder höre: „Bei Bistro Ginkgo schmeckt es mir am allerbesten!“ In der Tat, in der kurzen Geschichte von Bistro Ginkgo habe ich das Lob als „Komponistin“, „Solospielerin“ und mittlerweile als Spielerin eines Doppels bezüglich einiger unserer Gerichte gehört: Teriyaki Lachs, Mapo Tofu, Ameisen klettern auf den Baum, Jiaozi, Menmian, Kimchi, alle Soßen... Solche Momente machen mich äußerst glücklich, weil das, was ich anstrebe, von unseren lieben Gästen als gelungen anerkannt worden ist.

Guten Appetit

Wünscht Ihnen das Bistro Ginkgo Team

Am Wiesensee, den 8. Juni 2021

Hymne an das natürliche Essen III

3 Ruwei (入味)mit Teriyaki

Von Min Busch, Am Wiesensee, den 8. Juni 2021



3 Ruwei (入味)mit Teriyaki



Der chinesische Begriff Ruwei(入味)bedeutet wörtlich: Eingedrungener Umami. Es ist ein Adjektiv und beschreibt den Idealzustand, wenn in einem Gericht der Geschmack von einer Zutat in einer anderen Zutat herauszuschmecken ist. Dieses Ziel erreicht man oft durch langes Köcheln und anschließend starkes Reduzieren in einem Prozess. Entscheidend für erfolgreiches „Ruwei“ ist nicht nur die Komposition der Soße, sondern das Gesamtkonzept. Ein umfangreiches Grundwissen ist die Voraussetzung: Welche Zutaten passen zusammen? Mit zusammenpassen meine ich, dass eine bestimmte Zutat mit anderen Zutaten zusammen deutlich besser schmeckt als die jeweilige Zutat allein.

Die Entwicklung des beliebten Gerichts „Teriyaki Hähnchen à la Bistro Ginkgo“ erzählt den bisherigen Prozess des Strebens nach Ruwei:

Teriyaki ist sowohl in Ostchina als auch in Japan sehr beliebt und populär. Shanghai und Tokio haben beim Geschmack von Teriyaki gemeinsam: Bestehend aus Sojasoße, Alkohol (in Form von Reiswein) und Zucker. In Shanghai nennt man dies „rot kochen“. In Japan hat man in der Grundkomposition von Teriyaki noch Mirin zusätzlich zur Sake, wobei Mirin wiederum aus Branntwein und Zucker besteht.

Mir persönlich gefällt das chinaweit berühmte Gericht „Schweinerippchen Wuxi Art“ am besten. Man nehme Essig zu den oben genannten drei Basisgewürzen hinzu und verleiht dem Teriyaki-Geschmack eine sehr interessante Tiefe. Dies funktioniert nur, wenn man das Verfahren Köcheln (炖) mit starkem Reduzieren der Soße (收汁) abschließt. Obwohl der Essig komplett verdunstet, bekommt man einen völlig anderen, ja deutlich besseren Geschmack – ich vermute, weil der Essig Calcium vom tierischen Bestandteil herausholt. Also gesund und lecker geschieht gleichzeitig, was will man noch mehr?

Um dem Essig „Futter“ zu geben, benötige ich etwas Fett-, Knochen- und Hauthaltiges, wie zum Beispiel Lachs, Schweinerippchen oder Hähnchenflügel. Zu Bistro Ginkgos Bestseller „Teriyaki Lachs“ werde ich einen extra Beitrag schreiben. Doch jetzt konzentriere ich mich auf das Gericht „Teriyaki Hähnchen“.

Am Anfang war es Teriyaki Hähnchenflügel – dieses Gericht koche ich seit zwanzig Jahren schon immer wieder gerne zu Hause, es wird von meinem Mann und mir sehr geliebt. Nun, Deutsche wollen keine Knochen, wenn man etwas vom Restaurant bestellt. Also kaufte ich Hähnchenbeine mit Knochen ein, und zugleich etwas Hähnchenbrust. Hähnchenbeine löste ich per Hand vom Knochen, kochte den Knochen mit im Gericht und nahm ihn beim Einpacken für den Kunden wieder raus. Weil ich ja den Geschmack vom Knochen brauche, um den Umami-Geschmack in diesem Gericht zu erzeugen.

Aber schnell stellte ich fest, dass diese Vorgehensweise viel zu aufwendig ist, als sie für einen Restaurantbetrieb einsetzbar wäre. Zudem ist Hühnerbrust bei Deutschen sehr beliebt, weil sie wenig tierisches Fett enthält. Also lautet die Aufgabenstellung für mich: „Wie kombiniere ich Teriyaki mit dem mageren Hähnchenbrustfleisch?“

Ich suchte einen Kompagnon zum Köcheln und Kochen im Gemüse und als Erstes fällt mir ein: Möhren. Möhren haben die Eigenschaft: Je länger gebraten, desto besser. Also werden die Möhrenstücke in Rapsöl gebraten, lange, auf großem Feuer, manchmal entsteht eine leicht braune Schicht an der Oberfläche – das ist die Voraussetzung für das spätere Ruwei. Dann kommen Hähnchenstücke hinzu in den Wok, somit werden sie in diesem durch Möhren leicht gebräunten Öl gebraten. Der gesunde Aspekt ist, Vitamin A in Möhren ist öl-löslich, somit holen wir Vitamin A von Möhren raus für unsere Augen und Leber.

Doch einige Gerichte später fehlte mir etwas an diesem Gericht: Möhren und Teriyaki, süß und süß, Hühnerbrust hat bekanntlich wenig eigenen Geschmack. Ich brauche etwas Geschmacksintensives und wurde bei Stangensellerie fündig. Wenn ich an die chinesische Selleriesorte rankäme, so hätte ich die genommen, weil sie einen sehr starken, medikament-ähnlichen, eigenwilligen Geschmack hat. Der Stangensellerie geht zwar auch in dieser Richtung, aber viel milder. Er hält das lange Kochen einigermaßen gut aus, und die faserige und knackige Eigenschaft möchte ich beibehalten, also tue ich den Stangensellerie erst später in den Wok, mitten beim Köcheln erst.

So lief es auch etliche Wochen, bis ich eines Tages das Gericht „Wirsing mit Rinderhack“ durch Zufall zu seinem Gipfelpunkt gebracht habe. Nun, Wirsing ist ein deutsches Gemüse, die chinesische Küche kennt ihn gar nicht. Ich habe ihn kennengelernt, nachdem ich Rosenkohl zu lieben begann. Zusätzlich zu den beiden gemeinsamen Eigenschaften „Bitter im Geschmack“ sowie „Öl-saugend“ unterscheidet sich Wirsing wesentlich vom Rosenkohl: Es ist unter extrem großem Feuer nicht kaputt zu kochen! Ja Wahnsinn! So was an Gemüse habe ich noch nie erlebt!

Eines Abends musste ich unter Zeitdruck das Gericht „Wirsing mit Rinderhack“ mit extrem starkem Feuer reduzieren, und setzte den Wok aufs 6 KW Feuer – was ich normalerweise bis dahin „nur“ zum Wasserkochen fürs Blanchieren verwendet habe. Ob dies gut geht, fragte ich mich? Und wie! Als Ergebnis bekam ich halb zusammengerollte Wirsingstreifchen, und es schmeckte wie chinesisches Meigancai (梅干菜), ein getrocknetes und wieder aufgeweichtes Gemüse, extrem aufwendig in der Herstellung, mit sehr viel mehr Umami-Geschmack als dasselbe Gemüse bei frischer Zubereitung.

Und plötzlich bekam ich eine neue Nutzung für Wirsing: Wirsing stark reduzieren = Meigancai Geschmack.

Diese wunderbare Erkenntnis lasse ich natürlich nicht auf sich ruhen. Sofort dachte ich daran, dass Wirsing perfekt zum „Teriyaki Hähnchen“ passen würde. Die Reihenfolge müsste so sein: Rapsöl in den Wok, dann: Möhren, Wirsing (saugt das Öl fast komplett auf), Hähnchenstücke, hausgemachte Teriyaki-Soße (bestehend aus japanischer Sojasoße, Zucker und Essig – ohne Alkohol), aufgeweichte Shiitake-Pilze in Stücke.

Et voilà! Das war die Geburtsstunde des Gerichtes „Teriyaki Hähnchen à la Bistro Ginkgo“. Ab diesem Moment kommt es mir vor, dass es von der Komposition her den perfekten Punkt erreicht hat. Wenn man etwas hinzufügt, dann wäre es zu viel; wenn etwas weggelassen wird, dann wäre es zu wenig.

Für mich ist der Zeitpunkt für dieses Gericht gekommen, es in Form eines Rezeptes festzuhalten. Und es ist auch klar, dass das Gericht auf unserer Menükarte seinen festen Platz bekommen hat. Denn die Beliebtheit eines Gerichtes sagt mir, ob die Komposition gelungen ist oder nicht. Beliebtheit insbesondere, ob es Kunden gibt, die wiederholt dasselbe Gericht bestellen. Im Falle von Teriyaki Hähnchen habe ich in der Tat den treusten Kunden gefunden, der jedes Mal das Gericht bestellte – bis auf ein einziges Mal, wo statt des einen Gerichtes zwei andere Gerichte bestellt wurden. Und was tat Bistro Ginkgo in dem Fall? Wir kochten dem Kunden eine kleine Portion Teriyaki Hähnchen als eine kleine Überraschung: Denn wir möchten uns herzlichst bedanken, dass er mich diesen ziemlich langen Weg von Anfang bis zur Festlegung des Rezeptes ständig und treu begleitet hat.

Übrigens, letzte Woche wollte ich „Ich“ sein und so boten wir „Teriyaki Hähnchenflügel mit Knoblauch“ an. In der ersten Woche waren wir vorbereitet, es bestellte niemand, also aßen wir am Sonntag selbst die Flügel auf. In der zweiten Woche des Testes haben wir wieder Hähnchenflügel gekauft und es bestellte niemand. Da wir nicht wieder am Sonntagabend uns zum Hähnchenflügelessen verdonnern wollten, haben wir einen Tag vorgezogen und die Flügel „für den Kunden“ am Samstagabend gegessen. Und was passierte? Der Teriyaki-Hähnchen-Fan-Gast bestellte am Sonntagabend das neue Gericht „Teriyaki Hähnchenflügel mit Knoblauch“ – und unser Vorrat war leider aufgebraucht. So mussten wir uns entschuldigen und kochten ihm das Teriyaki-Hähnchen „normal“. Sie können es glauben, mich als Köchin hat es mehr geärgert als dem Gast selbst!

Ich habe mir diesen Vorfall fest im Hinterkopf behalten und werde ihm bei seiner nächsten Bestellung dieses Gericht nachreichen.

Guten Appetit

Wünscht das Bistro Ginkgo Team

Am Wiesensee, den 8. Juni 2021

Hymne an das natürliche Essen II

2 Vegan

Für mich ist der Begriff „vegan“ eine Kategorie zur Zuordnung, wie zum Beispiel eine bestimmte grammatische Regel in einer bestimmten Sprache. Erwachsene lernen eine Fremdsprache oft mit der Vorgehensweise „Grammatik + Vokabeln“, im festen Glauben daran, dass diese Vorgehensweise schneller geht als der Spracherwerb bei einem muttersprachlichen Kind. Doch wer beherrscht die Sprache in der Regel besser? Das muttersprachlich aufgewachsene Kind, oder jemand, der eine Sprache als Erwachsene mit Grammatik + Vokabeln zu erlernen versucht?

Warum ist es so? Ganz einfach, zuerst ist die menschliche Sprache entstanden, erst unzählige Jahre später wurde Grammatik geschaffen. Ergo: Wer mehrere Sprachen gleichzeitig wie eine Muttersprache beherrschen möchte, der soll im Idealfall wie ein Kind vorgehen, nämlich hören und nachsprechen, wiederholen, so lange, bis die Verbindung zwischen Aussprache und Bedeutung im Gehirn sitzt.

Nun, übertragen wir diese Vorgehensweise auf das Kochen:

Ursprünglich waren vor allem Pflanzen und selten Tiere Quelle unserer Nahrung, und erst sehr viel später ist der Begriff „vegane Küche“ entstanden. Außer der buddhistischen Küche, die komplett vegan ist, besteht eine chinesische Mahlzeit hauptsächlich aus Gemüse. Fleisch oder Fisch kommen oft als eine Umami-gebende Komponente in Gemüsegerichte hinzu. Die Kombination tierischer und pflanzlicher Aminosäuren gibt uns ein phantastisches Gefühl der Glückseligkeit.

Nehmen wir das Beispiel Blumenkohl. Etwas hart, leicht bitter, saugt gerne den Geschmack von anderen Zutaten auf. Wenn vor mir ein frisch geernteter Blumenkohl auf dem Küchentisch liegt, dann fallen mir zum Beispiel folgende Möglichkeiten ein:

- Blumenkohl blanchieren, dann mit japanischer Sojasoße und 100%igem Sesamöl würzen

- Blumenkohl mit sehr wenig Anchovies braten (in Salz & Öl eingelegten Anchovis aus Sizilien)

- Blumenkohl mit marinierten Schweinenieren braten

- Blumenkohl und Brokkoli in Rapsöl gebraten, mit japanischer Miso-Paste würzen

- Blumenkohl mit aufgeweichten Shiitake-Pilzen braten, mit Shiitake-Dashi und Salz würzen

- Blumenkohl mit in Sake aufgeweichten, getrockneten Garnelen in Rapsöl braten, mit Salz würzen

- Blumenkohl braten, in selbstgemachter Tomatensoße eindicken, mit Zucker und japanischer Sojasoße abschmecken

- …

Diese Liste könnte ich noch weiter ausführen, bewusst habe ich oben die deutsche Art, Blumenkohl in Wasser zu kochen und als Beilage nehmen, weggelassen, weil diese Art mir persönlich nicht schmeckt. Denn sie macht die Stärke des Blumenkohls kaputt, bietet aber keine Vorteile. Meines Erachtens soll am Blumenkohl seine Bissfestigkeit gepaart mit dem leicht bitteren Geschmack hervorgehoben werden. Denn der bittere Geschmack ist sehr interessant und schmackhaft. Blumenkohl mit Brokkoli zusammen in einem Gericht zu kombinieren, basiert genau auf dieser Überlegung. Ein Gericht soll nicht „flach“ schmecken, sondern dreidimensional oder im Idealfall „rund“ schmecken.

Die oben genannten Überlegungen habe ich nur, weil mir auf der einen Seite die Eigenschaften von Blumenkohl vertraut sind und zugleich die Kombinationsmöglichkeiten durch traditionelle chinesische Kochmethoden bekannt sind. Ja, man muss ja das Rad nicht mehrfach erfinden. Mir würde gar nichts einfallen, wenn ich von der strengen Vorgabe, unbedingt mit Blumenkohl „vegan“ kochen zu müssen, ausgehe. Ich würde in Panik geraten und von mir selbst behaupten, dass ich keinen Blumenkohl mag, egal wie man ihn zubereitet.

Doch dreht man den Spieß um und lässt man sich möglichst viele Variationen mit Blumenkohl einfallen, so finde ich leicht ein veganes Blumenkohlrezept für meine sich vegan ernährenden Gäste. Viele Gäste schätzen Gemüse und essen sehr wenig Fleisch, aber nicht unbedingt vegan. Die freuen sich über den einen oder anderen Vorschlag, Gemüse mit Aromen von Fleisch oder Fisch abzuschmecken. So stelle ich oft fest, dass ein Gast sich gerne auf meinen Vorschlag „Blumenkohl mit Anchovies aus Sizilien“ einlässt. Der Fischanteil ist verschwindend gering, gibt dem ganzen Gericht aber ein komplett anderes Aroma.

Diese Vorgehensweise ist bei der Komposition der Speisekarte für Bistro Ginkgo sehr hilfreich. Wir können jederzeit darauf vertrauen, dass wir unendlich viele Ideen haben werden, sie werden uns nie ausgehen. Man muss sie nur zu suchen und zu finden wissen.

An einem Prinzip beim Thema „vegan“ halten wir konsequent fest: Wir kochen natürliches Vegan. Wir nehmen großen Abstand von dem Ansatz, mit Pflanzen Fleisch oder Fisch nachahmen zu wollen. Vegane Nachahmungen von Fleisch oder Fisch sind in der Regel hochverarbeitete Lebensmittel. Pflanzen sind Pflanzen. Pflanzen haben ihre eigenen Stärken, die ich als Köchin hervorheben möchte. Gelingt mir dies nicht, dann darf ich mich nicht Köchin nennen. Und wenn ich Umami tierischen Ursprungs verwenden möchte, dann nehme ich doch etwas davon. Bei mir hat die Vorgabe „natürlich“ einen höheren Stellenwert als „vegan“. Wir bieten eine große Auswahl veganer und vegetarischer Gerichte. Die klassische chinesische Kochmethode, Gemüse mit Fleisch oder Fischaromen zu kombinieren, ermöglicht viele gesunde Geschmackserlebnisse, die wir auch unbedingt anbieten wollen.

Fast hätte ich den Slogan „Bistro Ginkgo. natürlich essen“ in „Bistro Ginkgo. natürlich vegan.“ umgetauft. Wir sind diesen Schritt nicht gegangen. Wir streben eine ganzheitliche, gesunde und zum persönlichen Glück führende Ernährung mit breiter Zutatenvielfalt auf natürlicher Basis an.

Der Sommer kommt. Wir lieben Gemüse und Obst. Lassen wir uns überraschen von dem natürlichen Umami. Komposition ist unsere Berufung!

Guten Appetit

Wünscht Ihnen das Bistro Ginkgo Team

Am Wiesensee, den 6. Juni 2021

Hymne an das natürliche Essen I

1. Prolog

Von Min Busch, Am Wiesensee, den 4. Juni 2021

1. Prolog

Seit dem 28. Oktober 2020, dem Tag der Eröffnung des Bistro Ginkgo, erlebe ich bis heute eine Verwandlung meiner eigenen Person, zu meiner großen Überraschung und mit großer Dankbarkeit. Diese Verwandlung geschieht sowohl in der körperlichen Fitness als auch in der psychischen Stärke. Am zweiten Tag nach unserer Eröffnung wurde verkündet, dass ein Lockdown-light beginnen werde, der bis heute noch anhält. Wir erlebten eine dunkle Zeit ohne Fahrplan. Wir hatten eine lange Zeit Tag für Tag komplett ohne Kunden. Bis die Voraussetzungen geschaffen wurden, dass wir an die Internetplattform „Lieferando“ angeschlossen waren, war anderthalb Monate vergangen: Also war rückblickend für mich der erste Tag, an dem ich mich „Köchin“ nennen darf, der 17. Dezember 2020. Doch Mitte Januar 2021 haben wir festgestellt, dass mein Einkaufsmarkt zusammengebrochen war: Beim Gemüsehändler gab es kaum noch frisches Gemüse. Also hatten wir eine Pause von insgesamt 6 Wochen eingelegt.

Unser Plan, ein Restaurant zu eröffnen, stand schon lange vor Corona fest. Daher sehen mein Mann und ich Probleme jeder Art als eine Herausforderung, die wir gerne annehmen. Und immer, wenn ein Problem überwunden wird, freuen wir uns wie ein kleines Kind. Genau dieser feste Glaube an den Erfolg des Konzeptes „Bistro Ginkgo. natürlich essen.“ gibt uns Kraft, formt unser Team und lässt uns alle zusammen Schritt für Schritt voranzuschreiten. Diese Freude am Fortschritt, diese Hoffnung auf ein besseres Wohlbefinden möchte ich gerne in Form einer textlichen Skizzierung mit Ihnen teilen.

An den ruhigsten Tagen im November sowie Dezember 2020 habe ich eine Reihe Kochvideos aufgenommen, um sie bei YouTube zu veröffentlichen. Und in den sechs Wochen „Winterpause“ vom 17. Januar bis zum 28. Februar 2021 habe ich zum ersten Mal in meinem Leben einen Facebook-Account eröffnet, um bei „Bistro Ginkgo“ verschiedene Gerichte zu posten. Jedes Video bzw. jeder Beitrag half mir weiter in Details, bis ich immer fester der Überzeugung bin: Es sind die Gerichte selbst, die die natürlichen Umamis kombinieren. Sie stillen unseren Hunger jeden Tag aufs Neue, ernähren uns, halten uns gesund halten und geben uns Kraft, Zuversicht und Wohlbefinden, und all das zusammen macht uns glücklich. Nicht ich als Köchin bin der Protagonist, sondern jedes Gericht selbst steht für sich im Zentrum des Geschehens.

Eines Tages, so plötzlich, morgens, nachdem ich aufgewacht war und noch im Bett lag, fiel mir der Titel meines zukünftigen Buches ein: „Hymne an das natürliche Essen“.

Ab diesem Moment ist es mir klar geworden, dass ich mich auf eine lange Reise begeben habe, die gerade ihren Anfang hatte: Jedes Gericht hat seinen eigenen Gipfelpunkt. Mein Ziel ist, Gerichte wie Musik zu komponieren, um dann ihren jeweiligen Gipfelpunkt mit allen Sinnen herauszufinden. Und wenn dies gelingt, soll es selbstverständlich in dem Restaurantbetrieb idealerweise Gericht für Gericht realisiert werden, und zwar unabhängig vom Koch.

Das alles klingt erst mal banal, wer macht es nicht? Doch wenn die Einschränkungen, die ich für die Küche von Bistro Ginkgo als Voraussetzungen festgelegt habe, immer gelten sollen, dann scheint dieses Ziel selbst für mich unerreichbar. Denn es dürfen nur frische Zutaten verwendet werden, ohne Tiefkühlware, ohne industrielle Zusatzstoffe, ohne halbfertige Produkte. Und dasselbe Gericht soll immer gleich hervorragend schmecken, auch wenn es von verschiedenen Köchen gekocht worden ist.

So kochen unser junger Koch und ich in der Gipfelzeit der Bestellung zu zweit wie ein Doppel beim Tischtennis: Wir bedienen gleichzeitig insgesamt fünf Feuerstellen. D.h. an jedem Gericht haben zwei Personen gekocht. So zu kochen macht großen Spaß – und das Verfahren haben wir nicht erfunden, sondern es hat sich so ergeben. Und immer, wenn Kunden begeistert sind von der Küche, freuen wir uns beide – das Lob des Kunden gilt immer an uns beide!

Mit diesem Vorhaben möchte ich Sie einladen, mit mir zusammen in die wunderbare Vielfalt der natürlichen Gerichte einzutauchen: Gericht für Gericht strebe ich an, die Perfektion zu beschreiben, als sei ich eine Komponistin für ein Musikstück, mit der festen Vorgabe: Chinesische Methode. Japanischer Einfluss. Deutsche Zutaten. Dabei verzichte ich bewusst auf die Mengenangabe, so wie das Publikum von einem Rezeptbuch erwartet.

Denn ich möchte mich auf das Wesentliche konzentrieren: Der natürliche Umgang hauptsächlich mit Gemüse. „Vegetarisch. Vegan. Asiatisch.“ ist die passende Einordnung der Küche von Bistro Ginkgo, mit anderen Worten: Asiatische Fusionsküche. Gemüse wie Wirsing, Rosenkohl, Spitzkohl, Brokkoli, weißer Spargel, Bärlauch etc. wachsen ja in China gar nicht. Buschbohnen, Stangenbohnen, Aubergine, Zucchini wachsen in China verschieden und schmecken anders. Daher ist es mir bewusst, dass ich mit der „gemüse-immanenten“ Methode arbeiten muss, ausgestattet mit dem Werkzeugkasten China mit Tools aus Japan, um jede in Duisburg verfügbare Zutat unter die Lupe zu nehmen.

Als Autorin eines Buches schreibe ich ohne ein vorher geplantes Inhaltsverzeichnis. Die lange Reise hat begonnen. Es wird spannend und interessant sein. Ich lasse mich überraschen und bin mir sicher, dass sich die einzelnen Beiträge später gruppieren lassen werden – und somit wird das Inhaltsverzeichnis eines Tages selbst heraus kristallisieren.

Bis dahin ist es und bleibt spannend – für Sie und für mich.

Kommen Sie mit und genießen Sie mit uns!

Guten Appetit

Wünscht Ihnen das Bistro Ginkgo Team

Am Wiesensee, den 4. Juni 2021

Weg weg von der Allergie, hin zum natürlichen Xian (鲜)

Die Philosphie hinter unseren Gerichten.

Weg weg von der Allergie, hin zum natürlichen Xian (鲜)

Herzlich willkommen auf unserer Seite. Ich bin Min, die Köchin im Bistro Ginkgo in Duisburg.

Xian (鲜) ist in der chinesischen Küche der Begriff für den Geschmack „wohlschmeckend, würzig“. Bei uns in Deutschland ist dieser Geschmack unter dem japanischen Begriff „Umami“ (うま味) bekannt – der fünfte Geschmack neben süß, sauer, salzig und bitter.

Vor etwa 9 Jahren litt ich unter einer Allergie, die plötzlich über mich kam und immer schlimmer wurde. Am Abend juckte die Kopfhaut, an den Innenseiten von Ellenbogen und Knie sowie an der Taille bildeten sich juckende Quaddeln. Medikamente wie Cetirizin bekämpften nur die Symptome, ließen die Krankheit erträglich werden, aber sie bekämpften nicht die Ursache.

Auf die Symptome bekämpfenden Medikamente war ich angewiesen, bis ich 2015 von einer Hautklinik eine sehr kurze Liste von Lebensmitteln erhielt, an die ich mich etwa dreiviertel Jahr gehalten habe, um dann Tag für Tag individuell weitere Sorten Lebensmittel auszuprobieren, ob ich diese vertrage.

So fing ich an, Möhren, Blumenkohl, Sellerie, Champignons, Fenchel, Kartoffel, Schweinefleisch, Rindfleisch usw. einfach nur zu dünsten und zu essen. Ich durfte nur mit Salz würzen. Sogar Salz ließ ich freiwillig weg. So bekam ich plötzlich mit, wie schmackhaft unsere Lebensmittel von Natur aus sind.

Aus der Qual wurde plötzlich Genuss.

Aus dem Elend wurde plötzlich Bereicherung.

Aus der Krankheit wurde plötzlich eine gründliche Reinigung meines Körpers, die bis heute andauert und nie aufhören wird, solange ich lebe.

Da ich gebürtige Chinesin bin und bereits als sechs jähriges Mädchen liebend gerne mit Teig gespielt habe, weil er mir wie Knete vorkam, und weil zum Glück in meiner Kindheit die industriellen Zusatzstoffe in chinesischen Privathaushalten noch nicht verbreitet und verfügbar waren, hatte ich das Glück, als Kind und als Jugendliche die traditionellen Zubereitungsmethoden in zahlreichen Varianten tagtäglich zu sehen und zu lernen.

Meine Mutter stammte aus Nord-China – den Umgang mit Weizenmehl hat sie mir beigebracht. Mein Vater stammte aus Shanghai. Er hat mir den Schlüssel zum kreativen Kochen überreicht: Die Suche nach dem natürlichen „Xian“ (鲜). Im Deutschen wird der japanische Begriff „Umami“ (うま味)

verwendet.

Meine Mutter, Medizinerin, ergänzte Vaters Schlüssel mit dieser Anmerkung: Merke Dir, das Wort „Xian“ (鲜). Es besteht links aus dem Zeichen „Fisch“ (Yu, 鱼) und rechts aus „Lamm“ (Yang, 羊). Beides ist tierisches Eiweiß. Darin sind Aminosäuren enthalten. Aber auch Pflanzen enthalten Aminosäuren. Und die tierischen und pflanzlichen Aminosäuren zusammen geben den besten „Xian“-Geschmack. Mein Vater meinte: Überlege Dir bei jedem Gericht, wo die Aminosäuren herkommen sollen. Damit machst Du das Essen schmackhaft.

Zig Jahre später, meine Eltern sind leider inzwischen verstorben, stehen die Ratschläge meiner Eltern bei mir tagtäglich im Mittelpunkt. Mein Mann und ich können endlich unseren Traum verwirklichen: Ein kleines Bistro zu führen, indem ich die Chance habe, mit den ursprünglichen, ja fast in die Wiege gelegten Kochmethoden, Gerichte zuzubereiten, um sie unseren Gästen von Bistro Ginkgo zu präsentieren.

Am 28. Oktober 2020 durfte ich mich endlich „Köchin“ nennen. Es ist gerade mal drei Monate her – und gefühlt kommt mir die Zeit wie 6 Jahre vor. So große Fortschritte habe ich beim Kochen gemacht.

Aufgrund des Corona-Pandemie-Lockdowns ergab sich eine ganz neue Herausforderung: drei in Konflikt stehende Ziele miteinander zu harmonieren und damit die Speisekarte von Bistro Ginkgo zu kreieren. Diese drei Elemente sind:

1) Frische Zutaten verwenden

2) Alles verwenden, d.h. „Zero Waste“ anstreben (auch wenn am Tag gar kein Gast kommt)

3) Gutes Preis-Leistungsverhältnis anbieten

Dies ist uns in der Tat durch Prozesse und Probieren gelungen. Dieses „Korsett“ ist aus der Not geboren, und daraus haben wir eine Tugend gemacht. Ich bin mir sicher, viele Kreativität in der Geschichte der Menschheit ist aus der Not entstanden. Und ich bin mir auch sicher, dass diese drei oben genannten Prinzipien Bistro Ginkgo ständig und lebenslang begleiten werden.

Wie wir die drei Prinzipien in den Menüs umsetzen, zeigen wir Ihnen auf unserem YouTube-Kanal. Wir möchten Sie herzlichst einladen, sich mit uns gemeinsam auf die lange Reise zur Suche nach dem natürlichen Xian zu begeben. Denn zusammen sind wir stark! Was uns nicht umhaut, macht uns stark!

Die Suche nach dem natürlichen Umami ist die Vision von Bistro Ginkgo; dieses Bistro ist nicht nur unser Beruf, sondern viel mehr, er ist es unsere Berufung, unsere Lebensaufgabe, und im Idealfall existiert es über die biologische Lebensdauer der beiden Gründer hinaus. Als Tradition von unseren Vorfahren habe ich sie erhalten, und mit meiner Interpretation im Geist der Vorfahren möchte ich diese Tradition an die Nachfahren weiter geben.

Zwei wichtige Prinzipien bestimmen meine Arbeitsweise:

1) Weniger ist mehr. Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche. Unser Augenmerk gilt der traditionellen Methodik sowie dem Experimentieren mit der althergebrachten Methodik. Wir arbeiten komplett ohne dokumentierte Rezepte. Daher gibt es in den Videos auf unserem Kanal keine Angaben zu Rezept und Mengen. Sie werden sehen, die Freiheit und die Kreativität werden Sie glücklich machen. Gericht für Gericht. Wenn man den Schlüssel zum Finden von Gold besitzt, warum hortet man noch Gold?

2) Als Kind habe ich gelernt, beim Kochen zu riechen. Der Geruchsinn bleibt den Tag über ziemlich stabil. Am Gipfelpunkt des Duftes ist die Würzung perfekt.

3) Ich probiere nie während des Kochens.

Ich habe keine dokumentierten Rezepte. Ich probiere auch nie das fertige Essen, das wir den Gästen übergeben. Doch von jedem Gericht, das wir den Gästen überreichen, bin ich zutiefst überzeugt, dass es schmeckt. Manchmal lege ich im Laufe des Tages von den Gerichten etwas zur Seite, um die Gerichte nach Feierabend auch selbst zu probieren, so, als hätte ich selber bei Bistro Ginkgo etwas bestellt. Mir kommt es dann vor, als seien mein Mann und ich essen gegangen. So lerne ich mein eigenes Werk aus der Perspektive des Gastes kennen. Wenn man jeden Tag mit diesem Ritual den Tag abschließen kann und als Gast des eigenen Hauses zufrieden ist, dann ist der Tag geglückt.

So freuen wir uns bei Bistro Ginkgo darauf, jeden Tag als „geglückt“ zu gestalten.

Wir hoffen sehr, dass unsere Philosophie, unsere Gerichte und unsere Videos Ihnen gefallen. Vielleicht gelingt es uns ja Leidenschaft und Inspiration zu wecken, mit uns zusammen den Weg zum natürlichen Xian zu gehen.

Viel Spaß beim Lesen und Zuschauen. Bleiben Sie gesund!

Wenn Sie neugierig geworden sind, wie das Ergebnis in der Tat schmeckt, so freuen wir uns auf Ihren Besuch bei uns im Lokal:

Bistro Ginkgo, Am Buchenbaum 20, 47051 Duisburg

Ihr Bistro Ginkgo Team

Jetzt auch die ersten Tische im Gastraum!

Jetzt auch die ersten Tische im Gastraum!

Herzlich willkommen!

Sehr geehrte Gäste,

mit einigen Tischen & sehr großem Luftfilter

erwarten wir Sie jetzt gerne bei uns im Bistro.

Wir freuen uns natürlich auch über Ihre Bestellungen zur Abholung und Lieferung

(Öffnungs- gleich Bestellannahmezeiten).

Donnerstag bis Sonntag

11:00 bis 20:30 Uhr

Ihr Bistro Ginkgo Team

Zahlungsmöglichkeiten: Jetzt auch PayPal

Zahlungsmöglichkeiten: Jetzt auch PayPal

Gerne nehmen wir jezt auch PayPal als Zahlungsmittel an.

Ab sofort können Zahlungen bie Lieferung und Abholung jetzt auch per PayPal getättigt werden. Barzahlug und die diversen Kartenzahlungen sind natürlich weiterhin willkommen.

Herzlichen Dank für Ihre Bestellung!

Unser YouTube Kanal

Videos zur Zubereitung unserer Gerichte

Wir präsentieren immer mehr Gerichte bzw. die Zubereitung bei YouTube. Schauen Sie doch mal bei uns vorbei.

Kanal: Bistro Ginkgo. natürlich essen.

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